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Shoppen, reisen, spielen, fernsehen, lesen, Freundschaften pflegen: Es gibt kaum einen Freizeitbereich, den die technologische Revolution nicht rasant verändert. Immer mehr Menschen nutzen das Internet, neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung entstehen. Und auch abseits von Technologien verändern sich Freizeit- und Konsumverhalten. Mit dem Invesco Global Leisure Fund können Anleger an diesem Wandel teilhaben.

 

Wie eingekauft wird

In Shops weltweit auswählen, rund um die Uhr einkaufen, bequem Preise vergleichen? Früher undenkbar – heute selbstverständlich.

Zukünftig wird der Online-Handel dem traditionellen Handel noch mehr Marktanteile abnehmen, denn es werden weitere Servicesegmente erschlossen. Mobilität, schnellere Computer und Netzwerke machen es zusammen mit künstlicher Intelligenz einfacher, Produkte online zu finden.

Zum Beispiel Alibaba
Statistisch gesehen hat jeder zweite Chinese einen aktiven Account bei dem Internet-Riesen Alibaba.1 Am „Singles’ Day“, an dem chinesische Online-Händler traditionell besondere Rabatte geben, hat Alibaba innerhalb von 24 Stunden Waren im Wert von 24,3 Milliarden US-Dollar verkauft.2

 

 

Wie Zeit verbracht wird

Online spielen

Die Computerspielindustrie erlebt ein dynamisches Wachstum. Das Format e-Sports, professionelles, in Wettkämpfen ausgeübtes Computerspielen, füllt ganze Hallen und könnte bald mehr Beachtung finden als Fußball? Früher undenkbar – heute weit verbreitet.

Für diese Industrie erlauben gleich mehrere Faktoren eine weiterhin positive Einschätzung: Der Vertrieb wechselt von physischen zu digitalen Wegen. Durch die steigende Rechenleistung der Mobiltelefone vergrößert sich die Zielgruppe, die Zuschauerzahlen bei e-Sports steigen.

Zum Beispiel e-Sports
Die noch recht junge Form e-Sports ist bei männlichen Millenials in den USA schon genauso beliebt wie das Anschauen eines Baseball- oder Eishockeyspiels.3

Reisen

Reisen und Erlebnisse werden innerhalb der Freizeitgestaltung immer wichtiger. Die Reiseindustrie erlebt ein dynamisches Wachstum – insbesondere Kreuzfahrten: 2018 werden 27,2 Millionen Passagiere erwartet. Tendenz: steigend.4

Zum Beispiel Kreuzfahrten
Die Passagierzahlen bei Kreuzfahrten steigen seit Jahren und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Norwegian Cruise Line zählt zu den Marktführern und gilt als Innovator in der Weiterentwicklung des Kreuzfahrterlebnisses.

 

Vom geänderten Freizeitverhalten profitieren: Invesco Global Leisure Fund

 

  • Die Chancen des Wandels nutzen: Mit dem Invesco Global Leisure Fund können Anleger gezielt in Aktien von Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodelle von diesem gewandelten Freizeit- und Konsumverhalten profitieren.
     
  • Von einem flexiblen Ansatz profitieren: Die erfahrenen Fondsmanager analysieren fundamentale Daten, Bewertungen und mögliche Risikofaktoren. Auf dieser Grundlage können sie flexibel auf sich verändernde Freizeit- und Konsumtrends reagieren.
     
  • In einen erfolgreichen Fonds investieren: Seine Anleger konnten sich in den letzten fünf Jahren über durchschnittlich rund 15% jährlichen Wertzuwachs freuen.5 Dafür wurde der Fonds gleich zweimal ausgezeichnet.6, 7

 

 

Anmerkungen

1 Quelle: Alibaba, Mai 2017. 500 Millionen aktive Accounts bei Alibaba im Jahr 2017. Die Nennung von Einzeltiteln dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Empfehlung zum Kauf, Halten oder Verkauf dar. Wir können nicht garantieren, dass Invesco zukünftig diese Einzeltitel innerhalb seiner Fonds halten wird.

2 Quelle: www.forbes.com, November 2017.

3 Quelle: Newzoo‘s Esports Consumer Insights. Stand: 31. Dezember 2016.

4 Quelle: Cruise Lines International Association (CLIA): “2018 Cruise Industries Outlook”, Dezember 2017 (seitdem keine neuen Daten verfügbar). Prognosen basieren auf aktuellen Marktbedingungen und können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern.

5 Quelle: Morningstar, Stand: 31. Juli 2018, A-Anteile, thesaurierend, in USD. Index: MSCI World Consumer Discretionary Index-ND. Berechnet nach BVI Methode, ohne Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags. Der Ausgabeaufschlag kann bis zu 5,26% des Nettoanlagebetrags der Anlagesumme betragen. Der jährliche Wertzuwachs enthält nicht die individuell zu tragenden Kosten. Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

6 Morningstar, Stand: 31. Juli 2018. Bester Fonds über 3 und 5 Jahre in der Vergleichsgruppe „Branchen: Konsumgüter und -dienstleistungen“.
www.morningstar.de.

7 Ausgezeichnet in der Kategorie „Aktien – zyklische Konsumgüter“. Quelle: Thomson Reuters Lipper Awards, © 2018 Thomson Reuters. Alle Rechte vorbehalten. Gebrauch mit Genehmigung und geschützt durch die Urheberrechtsgesetze der Vereinigten Staaten. Die Vervielfältigung oder Weiterverbreitung dieser Inhalte ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung ist untersagt. Der Fonds wurde in Deutschland und Österreich ausgezeichnet. Lipper, Stand: 15. März 2018. http:// lipperfundawards.com/Awards. Hinweise auf Auszeichnungen oder Ratings stellen keine Garantie für künftige Erträge dar.

 

Wesentliche Risiken

Der Wert von Anteilen und die Erträge hieraus können sowohl steigen als auch fallen (dies kann teilweise auf Wechselkursänderungen zurückzuführen sein), und es ist möglich, dass Investoren bei der Rückgabe ihrer Anteile weniger als den ursprünglich angelegten Betrag zurückerhalten. Da dieser Fonds in einem bestimmten Sektor anlegt, sollten Sie darauf vorbereitet sein, stärkere Schwankungen des Fondswerts hinzunehmen, als dies bei einem Fonds mit einem breiter gefassten Anlagemandat der Fall ist. Hierbei handelt es sich um wesentliche Risiken des Fonds. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den fonds- sowie anteilsklassenspezifischen wesentlichen Anlegerinformationen. Die vollständigen Risiken enthält der Verkaufsprospekt.

Wichtige Information

Dieses Dokument ist nicht Bestandteil eines Verkaufsprospektes. Die hier dargestellten Meinungen und Prognosen sind die des Portfoliomanagers. Diese können sich jederzeit und ohne vorherige Ankündigung ändern, z.B. wenn zugrundeliegende Faktoren sich ändern. Die Meinung deckt sich nicht notwendigerweise mit der Meinung von Invesco insgesamt, sowie der anderer Fondsmanager von Invesco bzw. Invesco Ltd..

Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die zukünftige Wertentwicklung zu, stellt keine Garantie für künftige Erträge dar und lässt sich nicht in die Zukunft fortschreiben. Die veröffentlichten Wertentwicklungsdaten beinhalten keine für die Ausgabe oder Rücknahme von Fondsanteilen anfallenden Gebühren und Kosten. Dieses Dokument dient lediglich der Information und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Es stellt keinen spezifischen Anlagerat dar und damit auch keine Empfehlung zu Anlage-, Finanz-, Rechts-, Rechnungslegungs- oder Steuerfragen oder zur Eignung des/der Fonds für die individuellen Anlagebedürfnisse von Investoren. Vor dem Erwerb von Anteilen sollten Anleger sich über die für sie geltenden Wertpapier- und Steuervorschriften sowie andere sie betreffende gesetzliche Vorgaben informieren. Bitte beachten Sie, dass die Anteilsklassen hinsichtlich u.a. Gebühren und Mindestanlagebetrag unterschiedlich ausgestaltet sein können. Es wird daher empfohlen, unbedingt unabhängigen Rat einzuholen. Wir weisen darauf hin, dass sämtliche in diesem Dokument gemachten Angaben sich beim Invesco Global Leisure Fund auf die Anteilklasse A thesaurierend – USD beziehen. Eine Anlageentscheidung muss auf den jeweils gültigen Verkaufsunterlagen basieren. Diese (fonds- und anteilsklassenspezifische wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresberichte) sind in deutscher Sprache auf unserer Webseite unter Pflichtpublikationen und Unterlagen.

Stand der Daten: 31. Juli 2018, sofern nicht anders angegeben.

 

Information über eine Fondsfusion    25.10.2018
 

 

Threadn.Invt Fds-Europ.Sel.Fd Namens-Anteile R Acc EUR oN ISIN GB0002771169


Durch die auflegende und verwaltende Kapitalverwaltungsgesellschaft wurde uns mitgeteilt, dass der Fonds per12.11.2018 fusioniert.


Was bedeutet das konkret?

 Sie können den oben genannten Fonds noch bis zum 01.11.2018 verkaufen oder in einen Fonds Ihrer Wahl umschichten.

 Käufe sind noch bis zum 01.11.2018 möglich.

 Zum heutigen Zeitpunkt steht uns leider noch keine Information zur Verfügung, ob Ihre Anspar- und Entnahmepläne in den aufnehmenden Fonds übernommen werden können. Falls der aufnehmende Fonds bei der ebase sparplanfähig ist, werden Ihre bestehenden Aufträge selbstverständlich automatisch im Zuge der Fusion übernommen. Vom 15.11.2018 bis zur Umstellung des Bestandes bei der ebase können diese jedoch nicht ausgeführt werden.
Die genannten Termine (unter Vorbehalt) beziehen sich auf den Eingangstag bei ebase. Aufträge, die nach den genannten Terminen bei uns eingehen, können nicht mehr ausgeführt werden. Sollten Sie uns für den oben genannten Fonds keinen Auftrag zum Verkauf oder zur Umschichtung erteilen, wird der Fonds wie folgt fusioniert:

Ihr Anteilsbestand wird zu gegebener Zeitautomatisch und kostenfrei in Anteile des folgenden Fonds umgeschichtet:

Threadneedle L-European Select Act. Nom. 1 EUR Acc. oN ISIN LU1868839181


Durch die Fusion können eventuell steuerpflichtige Erträge anfallen. Bitte prüfen Sie gegebenenfalls Ihren Freistellungsauftrag. Für Rückfragen bezüglich der Fondsfusion wenden Sie sich bitte an Ihren Ansprechpartner  oder direkt an die verantwortliche Kapitalverwaltungsgesellschaft:


Columbia Threadneedle Investments Cannon Place,

78 Cannon Street London

Tel.: +49(0)6929729924

e-Mail:deutschland@columbiathreadneedle.com

 

Bitcoin – dem Aufstieg der Kryptowährung 2017 folgte Anfang 2018 der jähe Absturz. Was ist dran an der digitalen Währung? Und wie steht es um die zugrunde liegende Blockchain-Technologie?
SIMON KLOSTERS für Flossbach von Storch AG, Köln

ENDLICH: DER BITCOIN IST GANZ OBEN IN DER FINANZWELT ANGEKOMMEN.

Ganz oben auf der Agenda von Agustín Carstens. Und der sagt: „Der Bitcoin ist inzwischen zu einer Mischung aus Blase, Schneeballsystem und einem Desaster für die Umwelt geworden.“ Carstens’ Wort hat Gewicht, denn er ist als Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – der Bank der Zentralbanken – gleichsam oberster Notenbanker. Bei seinem jüngsten Besuch in Frankfurt auf Einladung der Bundesbank sprach Carstens sich für eine Regulierung der Kryptowährungen aus: „Zentralbanken müssen
bereit sein, falls nötig einzugreifen.“ Der Grund: „Es hat immer Versuche gegeben, Geld aus dem Nichts zu schöpfen, und das scheint hier der Fall zu sein.“ Die Kryptowährungen – nicht viel mehr als monetäre Alchemie?

2017 sah es tatsächlich so aus, als wären Bitcoins der Stoff, aus dem die Träume sind: im Handumdrehen reich an der Börse. Im Herbst kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr: Der Bitcoin-Kurs raste in wenigen Wochen von Rekord zu Rekord, auf mehr als 18.000 US-Dollar. Kurz vor Weihnachten kratzte der Bitcoin kurz sogar an der Marke von 20.000 US-Dollar, die Marktkapitalisierung des Bitcoin stieg auf mehr als 233 Milliarden US-Dollar an. Im Herbst rief die Spekulation zahlreiche Glücksritter auf den Plan: So benannte sich der US-Hersteller von Softdrinks, Long Island Iced Tea, in Long Blockchain um: Am Tag der Umbenennung schoss der Aktienkurs um 200 Prozent in die Höhe. Ähnlich machte es der 2012 pleite gegangene Foto-Hersteller Kodak: Am Tag der Ankündigung, ins Bitcoin-Mining einsteigen zu  wollen und eine Kryptowährung für Fotografen zu schaffen, stieg die Aktie um knapp 120 Prozent auf 6,80 US-Dollar. Nicht anders sah es bei den Kryptowährungen aus: Stieg der Bitcoin, stiegen die meisten anderen Kryptowährungen auch. Und die Käufer? Die ließen alle Vorsicht fahren: Sie eröffneten bedenkenlos auf Handelsplattformen in China elektronische Geldbörsen, um am Boom teilzuhaben.

Mittlerweile sind mit dem Bitcoin-Kurs auch viele Investoren wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Vom Höhenrausch im Dezember ist nicht viel mehr geblieben als ein ausgeprägter Kater. Binnen weniger Tage stürzte der Bitcoin-Kurs ab. Ob er sich je erholen wird? Machen die Zentralbanken ernst mit der Regulierung? Droht gar ein Verbot? Bitcoins könnten der Stoff sein, aus dem die Albträume sind.

Doch es gibt nicht nur den Bitcoin, sondern mittlerweile mehr als 1.500 verschiedene Kryptowährungen – haben sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen?

 

WAS WIR VOM DOTCOM-BOOM LERNEN KÖNNEN

Etwas Licht ins Dunkel kann hier ein Blick in die Zeit um die Jahrtausendwende bringen. Denn vieles an der Entwicklung bei den Kryptowährungen erinnert an den Dotcom-Boom Ende der 1990er-Jahre: Damals eröffnete eine neue Technologie namens Internet ungeahnte Möglichkeiten und beflügelte die Fantasie. Es entstanden tausende Unternehmen, die mit den verschiedensten Geschäftsmodellen die Chancen des Internets nutzen wollten. Viele Aktien eilten von Rekord zu Rekord – bis die Blase platzte.

Heute sind wir schlauer: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase blieben nur wenige Unternehmen aus den Anfangstagen des Dotcom-Booms übrig. Von den damaligen Börsenstars sind die meisten heute Geschichte – einige wenige überlebten aber und sind heute die bekanntesten Online-Unternehmen. Google, Amazon und Co. blieben – wer erinnert sich an einstige Börsenstars wie Netscape oder AOL?


KRYPTOWÄHRUNGEN BLEIBEN, NUR: WELCHE?

So unterschiedlich die Entwicklungen damals wie heute sind – eines scheint gewiss: So wie um die Jahrtausendwende das Internet sind die Blockchain-Technologie und die Kryptowährungen gekommen, um zu bleiben. Doch welche Kryptowährung sich für welchen Zweck dauerhaft als Zahlungsmittel etablieren wird, ist unklar.

Eines steht allerdings fest: Spätestens seit 2017 stehen Kryptowährungen auf der großen Bühne der Finanzwelt. Laut der Website Coinmarketcap.com gab es bis Mitte April zirka 1.500 Kryptowährungen mit einer Gesamtmarktkapitalisierung von rund 258 Milliarden US-Dollar. Allein auf die drei größten Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum und Ripple entfielen rund 180 Milliarden US-Dollar. „Es ist zumindest kein Zufall, dass der Aufstieg alternativer Währungen, die nicht der Kontrolle des Staates unterworfen und nicht beliebig vermehrbar sind, in eine Phase fällt, in der das Vertrauen in das Papiergeld-System schwindet“, sagt Bert Flossbach, Vorstand und Gründer der Flossbach von Storch AG.

Doch was macht Kryptowährungen so besonders? Der Bitcoin wurde nicht zufällig während der Finanzkrise entwickelt. Ein wichtiges Motiv der Entwickler war es, eine digitale Währung zu schaffen, die nicht die Schwächen einer Papierwährung hat, die nicht dem steuernden Einfluss einer Zentralbank unterliegt und die beim Abwickeln von Transaktionen nicht auf Intermediäre angewiesen ist. Viele Anleger sehen gerade im Bitcoin eine Währung, die Goldcharakter hat. Denn die Anzahl möglicher Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt – ähnlich begrenzt wie die Menge an Gold.


GIBT ES DIGITALES GOLD?

Zugegeben: Der Gedanke, mit Kryptowährungen digitales Gold zu entwickeln, hat Charme. Deshalb befasste sich Flossbach von Storch schon früh mit Kryptowährungen. Das Ergebnis: Gold bleibt für die Kölner die Währung der letzten Instanz. Der Bitcoin wird diese Funktion nach Ansicht von Flossbach von Storch nicht nur wegen der extremen Kursschwankungen nicht ausfüllen können.

Was Gold so interessant macht, ist die Tatsache, dass es neben einer Zahlungsmittelfunktion einen eigenen, echten Wert hat – weil es zum Beispiel für bestimmte Produkte benötigt wird. Dieser eigene Wert ist beim Bitcoin (und anderen Kryptowährungen) noch nicht gegeben: Wird eine Kryptowährung nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert, ist der als Datensatz gehaltene Bestand wertlos. Schwer vorstellbar, dass ein physischer Goldbestand völlig wertlos werden sollte.


BITCOIN ALS ZAHLUNGSMITTEL

Doch wie funktioniert der Bitcoin als Zahlungsmittel? Bitcoins gibt es nur als Buchgeld, es gibt keine Münzen und keine Scheine. Außerdem gibt es keine zentrale Instanz wie beispielsweise eine Zentralbank, die Einfluss auf die Geldschöpfung nehmen kann. Wer Bitcoins hat, kann diese bei einer elektronischen Handelsplattform wie zum Beispiel bitcoin.de handeln und dort über eine elektronische Geldbörse verwalten, nachdem er sich dort registriert und eine Bankverbindung hinterlegt hat. Alternativ kann er sie auch selbst sichern, etwa auf einem USB-Stick oder einem Rechner. Jeder Besitzer verwaltet sein elektronisches Geld selbst – er muss nur die passende Software dafür herunterladen. Damit verlieren Zentralbanken ihren Einfluss, Banken den Zugriff, etwa auf Girokonten. Allerdings ist jeder Nutzer auch selbst für die sichere Aufbewahrung seiner Bitcoins verantwortlich.
 

AUCH BITCOINS KÖNNEN GESTOHLEN WERDEN

Und hier muss mit einem weitverbreiteten Missverständnis aufgeräumt werden: Kryptowährungen sind nicht automatisch sicherer als physisches Geld. Geht der elektronische Geldbeutel verloren oder wird er gestohlen, ist die Kryptowährung weg. So wie im Jahr 2014. Damals erbeuteten Hacker bei einer Cyberattacke auf die Handelsplattform Mt. Gox rund 850.000 Bitcoins im Wert von damals etwa 400 Millionen US-Dollar. Ein ähnlicher Fall ereignete sich zuletzt in Japan, wo Hacker im Januar Kryptowährungen im Wert von ungefähr 430 Millionen Euro erbeuteten, weil auf dem Handelsplatz Coincheck Guthaben fälschlicherweise in frei zugänglichen Online-Geldbörsen gespeichert wurden anstatt auf sicheren Offline-Servern. Anleger sollten also sehr sorgfältig prüfen, wie und wo sie ihre elektronischen Geldbörsen (Wallets) sicher aufbewahren und verwalten wollen.

Weil es sich um eine dezentrale Währung handelt, ist der Geltungsbereich des Bitcoins geografisch nicht eingeschränkt: Nutzer benötigen nur einen Internetzugang und Zugriff auf ihre Wallet, um weltweit in Bitcoins bezahlen zu können. Damit benötigen sie keine Devisen und keinen Währungstausch, um mit Menschen anderer Währungsräume Transaktionen durchzuführen.
 

ALLES NUR EIN EXPERIMENT?

Allerdings: Bitcoin ist zwar die älteste und populärste Kryptowährung, ob sie sich jedoch dauerhaft als die führende Kryptowährung etablieren kann, ist fraglich. Kein Geringerer als Nobelpreisträger Robert Shiller äußerte sich im Januar dieses Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos skeptisch über die bekannteste Kryptowährung: „Ich betrachte Bitcoin eher als ein interessantes Experiment – es ist kein fester Bestandteil unseres Alltags.“

Und tatsächlich offenbart das Bitcoin-System einige Schwachpunkte, die seinen Nutzen als Währung innerhalb eines Peer-to-Peer-Netzwerks in Frage stellen. Für Norbert Tofall, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute, „ist Bitcoin, gemessen an den Ideal-Zielen eines Peer-to-Peer-Netzwerks, leider eine Fehlkonstruktion.“

 

IM ERFOLG OFFENBART BITCOIN SEINE SCHWÄCHEN

Eine große Schwäche ist das geringe Transaktionsvolumen, das das Bitcoin-Netzwerk abwickeln kann: Mit nur maximal sieben Transaktionen pro Sekunde beträgt diese Kapazität nur ein Tausendstel dessen, was Kreditkartenfirmen wie Visa oder Mastercard sekündlich im Zahlungsverkehr abwickeln.

Auch der Prüf- und Legitimationsprozess nimmt mit dem Anwachsen des digitalen Kontobuchs zu: Der Energieverbrauch für das Erstellen neuer Transaktionsblocks ist mittlerweile riesig. Laut Schätzungen des Bitcoin Energy Consumption Index verbraucht das Bitcoin-Netzwerk für das Berechnen und Schürfen neuer Bitcoins in einem Jahr rund 60 Terawattstunden Strom. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von Kolumbien. Schon für die Abwicklung einer einzigen Transaktion benötigt das Bitcoin-Netzwerk 955 Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Für die Abwicklung von 100.000 Transaktionen benötigt der Kreditkartenanbieter Visa nur 169 Kilowattstunden Strom. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach der Klimafreundlichkeit des Bitcoin – für Besitzer bedeuten das niedrige Transaktionsvolumen und die geringe Geschwindigkeit auch hohe Kosten. Denn um der eigenen Transaktion einen besseren Platz in der Warteschlange zu verschaffen, zahlen Anleger Transaktionsgebühren, unter anderem, weil die Betreiber der Netzwerkrechner damit den Strom für die Bitcoins bezahlen müssen. Am 21. Dezember kostete eine Transaktion knapp 55 US-Dollar – was dazu führte, dass der Veranstalter der wichtigsten Bitcoin-Messe TNABC The North American Bitcoin Conference Bitcoins als Zahlungsmittel für die Conference-Tickets ablehnte. Die Transaktionsgebühr war schlicht zu hoch und die geringe Abwicklungsgeschwindigkeit sorgte für einen Stau bei der Ticketbearbeitung.
 

WELCHE ROLLE SPIELT CHINA?

Der hohe Stromverbrauch birgt aber noch eine andere Gefahr für das eigentlich dezentral organisierte Bitcoin-Netzwerk: Die Server-Farmen entstehen in Regionen, in denen Strom besonders günstig ist, beispielsweise in abgelegenen Regionen Chinas. Laut Angaben des „Manager Magazins“ standen im Januar 2018 mehr als 70 Prozent der Server, die Bitcoins schürfen und Transaktionen abwickeln, in China. Mithin in einem Land, das den Zugang zum Internet kontrolliert. Diese Konzentration in China widerspricht dem Gedanken einer demokratischen Netzwerkwährung.

Die Blockchain-Technologie hat das Zeug, die Finanzwelt zu revolutionieren. Einer, der das früh erkannt hat, ist Bhagwan Chowdhry, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der University of California Los Angeles (UCLA). Chowdhry nominiert deshalb Satoshi Nakamoto für den Wirtschaftsnobelpreis 2016. Auch wenn in dem Jahr der Preis an Oliver Hart und Bengt Holmström ging – die potenziell revolutionäre Wirkung der Blockchain-Technologie wurde spätestens da einer breiten Öffentlichkeit bekannt. „Das wirklich Spannende am Bitcoin-Trend ist die Technologie dahinter“, sagt Thomas Mayer, Direktor des Flossbach von Storch Research Institute. „So wie das Internet zur Jahrtausendwende seine Möglichkeiten erst entfaltete, beginnt die Blockchain-Technologie heute die Art und Weise, wie wir Transaktionen abwickeln, zu revolutionieren.“

Und so konkurrieren heute neben dem Bitcoin viele andere Kryptowährungen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Viele davon nutzen die Blockchain-Technologie. Oder wie der Nobelpreisträger Robert Shiller es auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos formulierte: „Wir legen zu großes Augenmerk auf den Bitcoin, wir sollten es eher auf die Blockchain richten.“ Shiller weiter: „Von der Technologie bin ich beeindruckt, aber es scheint mir, dass sie sich für etwas anderes besser eignet.“


Simon Klosters arbeitet als freier Journalist in Köln. 
für die Flossbach von Storch AG, Köln

 

 

"Bitcoins fehlt eine wichtige Eigenschaft"

 

Das Vertrauen in das Papiergeld-System schwindet, gleichzeitig feiern Kryptowährungen ihren Aufstieg. Eignen sich dezentrale Währungen als Geldalternative?

 

Ein großes Thema bei Anlegern ist derzeit der Bitcoin. Überrascht Sie der Boom der Kryptowährungen?

Sagen wir so: Es ist zumindest kein Zufall, dass der Aufstieg alternativer Währungen, die nicht der Kontrolle des Staates unter worfen und nicht beliebig vermehrbar sind, in eine Phase fällt, in der das Vertrauen in das Papiergeld-System schwindet.

Zahlen wir in Zukunft also alle mit Bitcoin?

So weit sind wir nicht. Als Zahlungsmittel sind Bitcoins auf einen kleinen Kreis eingeschworener Bitcoin-Anhänger begrenzt. Zum Vergleich: Mit nur maximal sieben Transaktionen pro Sekunde beträgt die Kapazität des Bitcoin-Netzwerks nur ein Tausendstel dessen, was Kreditkartenfirmen wie Visa oder Mastercard sekündlich im Zahlungsverkehr abwickeln.

Dennoch: Die Idee des Bitcoin als dezentrale Währung übt auf viele eine große Anziehungskraft aus.

Über die Hälfte der Bitcoins wird derzeit in China geschürft – das läuft nicht nur einer dezentralen Produktion zuwider. Weil damit auch der Großteil der Transaktionen in China überprüft wird, ist der Bitcoin auch dem Einfluss eines Einparteienstaates ausgesetzt. Und damit wird die ursprüngliche Idee einer dezentralen Währung tatsächlich auf den Kopf gestellt.

Gibt es weitere Aspekte, die Sie kritisch sehen?

Bitcoins fehlt eine Eigenschaft, die für werthaltiges Geld auf Dauer unabdingbar ist: die Eigenschaft als Ware, die einen intrinsischen Wert hat oder in eine solche getauscht werden kann.

Ähnlich wie bei Papiergeld …

Anders als unser Zentralbankgeld sind Bitcoins aufgrund ihrer Knappheit mehr als nur eine bloße Forderung an eine Gegenpartei. Wobei dieser Vorteil aufgrund der Konkurrenz durch die rasant steigende Zahl anderer Kryptowährungen zunehmend verwässert.

Wo liegt denn das große Problem unseres Zentralbankgelds?

Vor dem Ende des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1971 war Gold der Wertanker für Geld: „In gold we trust.“ Seither ist der Wert eines ungedeckten Dollars auf weniger als drei Prozent seines damaligen Goldwertes gefallen. Der Schmerz wurde durch hohe Zinsen auf Kontoguthaben gemildert. Seit es die nicht mehr gibt, schwindet der Wert des Geldes ungebremst mit der Inflation. Selbst beim aktuellen bescheidenen Inflationsniveau von unter zwei Prozent schrumpft die Kaufkraft eines Bankguthabens in zehn Jahren um rund 15 Prozent. Es ist verständlich, dass die Menschen angesichts dieser Perspektive nach Alternativen suchen …

Wie könnte eine solche Alternative denn aus heutiger Sicht aussehen?

Bitcoins und andere Kryptowährungen mögen zwar das Herz des Spekulanten, der den schnellen Reichtum sucht, erfreuen. Sie sind aber nur bedingt als langfristige Wertspeicher geeignet. Wer aus Angst vor Kursschwankungen Aktien meidet, wird eine Auszehrung seines Ersparten hinnehmen oder vielleicht auf goldgedeckte Kryptowährungen hoffen müssen. Dann könnte der Sparer aber gleich direkt zum Edelmetall greifen. 


Dr. Bert Flossbach ist Gründer und Vorstand der Flossbach von Storch AG.
 

 

Endlich unabhängig

 

Keine Zinsen, dafür steigende Inflationsraten. Sparer müssen leiden. Die Kaufkraft ihres Vermögens schwindet langsam,  aber sicher. Sie sollten besser zu Anlegern werden – nur wie?

ELMAR PETERS

LUDWIG ERHARD WAR EIN MANN DER KLAREN WORTE.

Beim Vermögen seiner Landsleute hat er da keine Ausnahme gemacht. Es sei zwingend notwendig, sagte der frühere Kanzler und Wirtschaftsminister einst, bei den Deutschen ein Gefühl für „individuelles, frei verfügbares Eigentum zu wecken.“ Eigentum als wesentlicher Bestandteil eines frei bestimmten Lebens. Kurz: Eigentum bedeutet Freiheit, ja, Eigentum ist Freiheit! Mehr denn je lohnt es sich, über Erhards Worte nachzudenken. Denn niemals zuvor war es wichtiger, Vermögen aufzubauen, als heute.

Die Deutschen werden weniger. Die Großfamilie hat ausgedient, auch wenn die Geburtenrate, eine statistische Größe zur Entwicklung der Bevölkerung, zuletzt wieder leicht gestiegen ist. Die Deutschen werden zudem älter, was zwar kein Grund zur Klage, sondern sehr erfreulich ist! Aber: Wenig Nachwuchs in Kombination mit einer wachsenden Zahl älterer Menschen belastet die gesetzliche Rentenkasse. Wenn immer weniger Beitragszahler immer mehr Empfängern gegenüberstehen, kommt das System an seine Grenzen. Was nichts anderes bedeutet, als dass sich die Ruheständler von morgen mit deutlich weniger Rente begnügen müssen als die Rentner heute. Wer seine Zukunft ohne finanzielle Sorgen verbringen möchte, sollte ausreichend beiseitegelegt haben.

Das Problem ist: Niemals war es schwieriger, Reserven anzulegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Zins „abgeschafft“. Dass sie ihn schon bald wieder deutlich anheben wird, ist unseres Erachtens wenig wahrscheinlich. Falls doch, hätten einige Eurostaaten ein Problem, ihre Schulden zu bezahlen. Italien beispielsweise, das mit rund 130 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet ist. Dazu passt, dass die Italiener bei den Parlamentswahlen jüngst ihre Stimmen mehrheitlich eurokritischen Parteien gegeben haben. Die Gefahr, dass sich Italien vom Euro verabschieden könnte, ist also real; eine Drohkulisse, auch für die EZB. Die dürfte alles tun, um Italien die Euro-Mitgliedschaft so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein höherer Zins würde gewiss nicht zu den Annehmlichkeiten gehören, die man sich in Rom wünscht.


DIE DEUTSCHEN VERARMEN

Für Sparer sind das keine guten Nachrichten. Sie werden schleichend enteignet. Zuletzt betrug die Inflationsrate im Euroraum 1,4 Prozent. Im Gegensatz dazu das Sparbuch, das im Schnitt um die 0,1 Prozent abwirft. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was in den kommenden Jahren mit dem Guthaben passiert, wenn die Differenz von Inflation und Zinsertrag ähnlich groß bleibt.

Dabei sind die Deutschen Sparweltmeister. Legen deutlich mehr von ihrem verfügbaren Einkommen zurück als etwa Briten oder Amerikaner. Eigentlich ist das gut. Die Deutschen bilden Rücklagen. Für die Zeit nach dem Berufsleben. Die Ausbildung der Kinder. Oder schlicht und einfach, weil sie sich einen Herzenswunsch erfüllen wollen. Eine längere Reise. Das neue Auto, die Küche.

Das Problem ist, dass die Deutschen „falsch“ zurücklegen. Das zeigt ein Blick auf die Vermögensverteilung, also wie ihr Geld, insgesamt sage und schreibe fast 5,8 Billionen Euro, investiert ist: Knapp 40 Prozent davon, also rund 2,3 Billionen Euro, liegen auf Giro- oder Sparkonten herum (vgl. Grafik 1). 2.300.000.000.000 Euro. Mehr oder weniger unverzinst und damit schutzlos der Inflation ausgeliefert! Deutschland, ein Sparweltmeister, der sich in Zukunft immer weniger dafür kaufen kann. Im Vergleich zu Anlegern aus anderen Ländern fallen die Deutschen bei der Entwicklung des Geldvermögens zurück (vgl. Grafik 2).

Viele Sparer ahnen, dass ihre Sparbuch-Strategie nicht die beste ist. Sie spüren, dass es vermutlich sinnvoller wäre, sich intensiver mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Und tun nichts. Stattdessen warten sie und hoffen darauf, dass der Zins doch irgendwann deutlich zulegen wird. Sie warten, so wie sie das in den vergangenen Jahren auch getan haben. Jeder Zeitungsbericht, in dem von der bevorstehenden Zinswende die Rede ist, nährt die Hoffnung auf bessere Zeiten. Bis die Sparer enttäuscht feststellen müssen, dass die Zinswende mal wieder abgesagt wurde. Woher bloß stammt dieses unerschütterliche Vertrauen der Deutschen in ihr Sparbuch und das Festgeldkonto?

Wir sind keine Psychologen. Aber wir hören gut zu. Unseren Kunden. Freunden. Bekannten. In vielen Gesprächen schwingt Verunsicherung mit. Große Verunsicherung. Wohin mit dem Geld? Wir können das sehr gut nachvollziehen. Niemals zuvor in der Geschichte war der Zins so niedrig. Die Notenbanken haben sich an ein gewaltiges Experiment gewagt, und niemand weiß, wie es ausgehen wird. Es ist nur menschlich, sich an Altbewährtes zu klammern, an Sparbuch und Tagesgeldkonto beispielsweise. Schließlich haben die Deutschen in der Vergangenheit überwiegend gute Erfahrungen damit gemacht. Andersherum: Es war bisher gar nicht nötig, sich Gedanken über Alternativen zu machen.

 

DIE WAHREN RISIKEN DER GELDANLAGE

Nichtstun erscheint heute auch deshalb so beliebt, weil die Angst, etwas Falsches zu tun, noch sehr viel größer ist. Welchen Ort kann es schon geben, an dem das Geld heute sicherer aufgehoben ist als auf dem Sparbuch, fragen sich viele. Selbst wenn es keine Zinsen gibt, wird es dort nicht weniger, immerhin. Auf dem Papier zumindest. Die Inflationsgefahr blenden sie dabei leider aus. Wissenschaftler sprechen auch von „Nominalwertillusion“, einem trügerischen Gefühl von Sicherheit, das die wahren Risiken eines Geldanlegers verdeckt: nämlich dauerhaft Geld zu verlieren und seine Anlageziele zu verfehlen. Sparbuch-Inhaber und Festgeldsparer sind heute beiden Risiken ausgesetzt. So wie die Nordsee mit der Zeit die Küste der Nordfriesischen Inseln abträgt, frisst die Inflation ihr Erspartes auf. Langsam,  meist unbemerkt.

Ein anderes Risiko dagegen haben die meisten Sparer sehr wohl für sich definiert. Eines, das aber eigentlich gar keines ist: Kursschwankungen. Gefürchtet ist alles, was an der Börse gehandelt wird und dessen Kurs fallen kann. Anleihen, viel mehr noch Aktien. Börse bedeutet für die Deutschen Kasino, der Aktionär gilt seit jeher als Spekulant – und nicht als Mitinhaber eines Unternehmens.
Wenn das Geld mittelfristig nicht gebraucht wird, ist eine Anlage unseres Erachtens nur dann riskant, wenn sie zu einem dauerhaften Verlust führt. Zwischenzeitliche Kursschwankungen fallen dann nicht ins Gewicht.

Erlauben Sie mir ein kurzes Gedankenspiel. Lassen Sie uns auf Weltreise gehen. Stellen Sie sich vor, wir wären ein Jahr unterwegs – Asien, Afrika, gerne auch Nord- und Südamerika. Zum Abschluss ein paar Wochen auf dem alten Kontinent, Europa. Wir haben keinen Internetzugang, keine Zeitung, schauen auch kein Fernsehen, bekommen also nicht mit, was an der Börse tagtäglich geschieht. Bevor wir unsere Reise antreten, kaufen wir die Aktien zweier Unternehmen, A und B.

Der Kurs von A schwankt deutlich stärker als der von Unternehmen B. Während unserer Reise fällt er von 100 auf 80 Euro, erholt sich dann leicht, um erneut zurückzufallen. In der zweiten Jahreshälfte startet dann eine positive Entwicklung und trägt den Kurs auf 120 Euro. Die Aktie von Unternehmen B dagegen schwankt kaum; als wir nach Hause zurückkehren und den Kursteil unserer Tageszeitung aufschlagen, sehen wir ihren Kurs bei 108 Euro. Über welche Aktie freuen wir uns wohl mehr? Klarer Fall, Unternehmen A; von den kräftigen Schwankungen haben wir glücklicherweise nichts mitbekommen. 

 

SO GELINGT DER ERSTE SCHRITT

Sogar Tages- und Festgelder können Risiken bergen. Sparer, die ihr Konto bei der „falschen Bank“ haben, mit mehr als den gesetzlich geschützten 100.000 Euro darauf, könnten einen Teil ihres Geldes verlieren, sollte die Bank in Schwierigkeiten geraten. Sparer auf Zypern mussten das 2014 leidvoll erfahren. Mit Volatilität hat das nichts zu tun; ein Risiko für das Vermögen besteht dennoch.

Ich weiß, wer sein Geld zeitlebens aufs Sparbuch gepackt hat, wird nicht über Nacht zum Aktionär. Das muss er auch nicht. So wie ein Nichtschwimmer sich nicht direkt ins tiefe Becken stürzen, sondern sich langsam herantasten würde, kann auch ein Sparer erst Erfahrungen sammeln – ohne dabei unterzugehen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Vom Sparer zum Anleger. Dann wäre schon viel gewonnen. Er könnte sein Geld beispielsweise in ausgewählte Anleihen investieren. Sicher, deren Kupon, also deren Verzinsung, ist heute deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Viel wichtiger für die Gesamtrendite ist heute aber die Differenz aus An- und Verkaufskurs. Wer geschickt vorgeht und geduldig ist, die sich ihm bietenden Anlagegelegenheiten nutzt, kann auch im aktuellen Umfeld mit Anleihen Geld verdienen. Er könnte zudem zumindest einen kleinen Teil seines Vermögens in Aktien investieren. Aktien von erstklassigen Unternehmen, also echte Qualitätstitel. Ein kleiner Teil, um positive Erfahrungen zu sammeln. Ein kleiner Teil, der mit der Zeit wachsen und gedeihen kann.

Auch dieser Schritt ist nicht einfach, gewiss, aber er ist machbar. Und ich bin mir sicher, dass er sich lohnen wird. Das eigene Vermögen ist zu wichtig, um es schutzlos der Inflation zu überlassen!

Elmar Peters ist Fondsmanager bei der Flossbach von Storch AG.

Psychogramm eines Sparers

 

Auf sein Geld achten. Nicht über die Verhältnisse leben. Regelmäßig etwas beiseitelegen. Den "Pfennig" ehren. Zum Teufel, warum eigentlich?

WERNER SCHUMACHER


Horst, für die meisten nur „Hotte“, Müller trat in mein Leben, kurz nachdem ich meinen neunten Geburtstag gefeiert hatte. Anfang der 1980er-Jahre war das. Zuvor kannte ich ihn nur vom Hörensagen – von Eltern und Großeltern. Aus deren Geschichten.

In meinem Heimatort war Müller eine Institution. Um die 50 Jahre alt. Riesenhaft. Wobei das Riesenhafte nicht die Größe, sondern die Fülle seines Körpers ausmachte. Geteilt wurde die massige Gestalt stets von einer auffallenden, mit Blumen motiven verzierten Krawatte, die gewöhnlich nicht zur Farbe seines Hemdes passte. Aber wen störte das schon?

Müller hatte sich um Wichtigeres zu kümmern als die Farben von Binder und Hemd. Er war der Mann im Ort, der das Geld seiner Einwohner hegte. „Wie ein Gärtner“, so würde er mir irgendwann später erklären. An insgesamt vier Tagen die Woche saß er in der Filiale der Raiffeisenbank. Mal vormittags, mal nachmittags. Filialleiter, Kassierer, Service-Kraft, Berater, Psychologe, Finanzphilosoph – alles in Personalunion.

 

PLÖTZLICH WAR ICH IM GESCHÄFT …

So tapste ich im Mai 1981 an der Seite meines Vaters die wenigen Stufen zum Eingang in Müllers Reich hinauf, um darin ein Girokonto zu eröffnen. Etwas nervös, zugegeben. Mein Vater hatte mir bedeutet, ich solle ihn reden lassen, schön ruhig sein und gut zuhören. Wie in der Kirche. Schließlich kam Hotte, was das Renommee im Ort betraf, direkt nach den Herren Doktor und Pfarrer. Tatsächlich hatte der Schalterraum etwas Feierliches, ja geradezu Erhabenes. Der wuchtige graue Tresor, versteckt hinten rechts. Die milchigen Fenster und die vergleichsweise niedrige Raumtemperatur. Nur der grüne, flauschige Teppichboden passte nicht so recht ins Bild, der Muff, den er zuweilen verströmte, irgendwie schon.
 
So sprach zunächst mein Vater, der zu diesem Anlass früher von der Arbeit nach Hause geeilt war. Der Junge solle sein eigenes Konto bekommen, sagte er. Fürs Taschengeld und die Heiermänner, die ihm Oma und Opa zusteckten. Ein Teil davon könne auf das bestehende Sparbuch, von dem ich zum ersten Male erfuhr, transferiert werden.

Müller nickte. Durch seine drei Zentimeter dicken Brillengläser starrte er mich einen quälend langen Moment an. Wie die Sheriffs im ARD-Vorabendprogramm. „Gute Entscheidung, Junge!“

Plötzlich war ich im Geschäft. Mit dem Sparen könne man nie früh genug anfangen, fuhr Hotte fort. Eine Frage ist mir besonders gut im Gedächtnis geblieben: „Weißt du, was Sparen bedeutet?“ Ich fürchtete schon, in einer besonders misslichen Lage zu sein, weil ich die Antwort nicht mit Gewissheit geben konnte – wie des Öfteren in der Schule. Nur verkomplizierte die Anwesenheit meines Vaters die Sache ungemein. Aber da erkannte ich, dass Müller gar nicht vorhatte, meine Antwort abzuwarten. Ehe ich Luft holen und einen Piep von mir geben konnte, dröhnte er das Zauberwort viel
lieber selbst durch den Schalterraum: „Konsumverzicht, Junge.“ 

Konsumverzicht. Mir leuchtete das damals ein. Natürlich tat es das, insbesondere weil Hotte seinen Exkurs in die Welt des Geldes mit einem Enthusiasmus fortsetzte, der ihn durchaus zum Wanderprediger im Mittleren Westen der USA befähigt hätte. Ein Sparer habe die wohl mächtigste Kraft auf seiner Seite, sprach er; der große Albert Einstein habe sie einst als das achte Weltwunder gepriesen: den Zinseszinseffekt. Der mache Kleinsparer zu Millionären. Wenn sie denn nur lange genug sparten. Halleluja! Ich wollte einer von ihnen werden.

 

DER WELTSPARTAG WURDE ZU EINEM DER HÖCHSTEN FEIERTAGE

Von nun an tauchte ich regelmäßig bei Müller in der Filiale auf und zahlte meine Heiermänner ein. Ein nicht unerheblicher Teil wanderte auf das Sparbuch. „Du hast es verstanden, Junge!“, sagte Müller. An Freitagen gab es Bonbons zur Belohnung. Die bunten – grüne, gelbe, rote. Die, an denen das Papier so fest klebte, als hätte es irgendwer in Sekundenkleber getaucht.

Der Weltspartag wurde zu einem Feiertag für mich. Ich versuchte, in jedem Jahr den Inhalt meiner Spardose zu erhöhen. Meistens hat es geklappt. Ich war stolz auf mich. Müller war es auch. Von Zeit zu Zeit sprachen wir über das weitere Vorgehen. Der kluge Sparer, sagte Müller, betrachte das Sparbuch als das Fundament seines Vermögens; es gebe aber noch mehr. Dach. Wände. Und überhaupt. Man könne das Geld festlegen. Dafür gäbe es mehr Zinsen. Oder Sparbriefe. Wichtig sei, bescheiden zu bleiben und darauf zu achten, nichts zu verlieren, sagte Müller. Das Wort „Aktie“ nahm er nicht in den Mund. „Fonds“ auch nicht. Nicht mal „Anleihen“.

Stattdessen verwies er kurz vor meinem 18. Geburtstag auf eine andere, sehr lukrative Form der Geldanlage: den Bausparvertrag. Ein langer Atem sei da gefragt, sagte Müller. Einige Monate später unterschrieb ich den Vertrag. Und irgendwann den nächsten. Wenn auch nicht mehr bei Hotte.

Heute weiß ich, dass meine Geldanlage sehr eindimensional ist und Albert Einstein nicht alles wusste. Wunder bewirkt der Zins jedenfalls schon lange nicht mehr. Liebend gerne würde ich Hotte fragen, was zu tun ist.

Leider hat er die Bühne längst verlassen. Das Herz.  


Werner Schumacher, Jahrgang 1972, ist freier Journalist und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Kassel

- für Flossbach von Storch AG, Köln

 

Die Notenbanken setzen alles daran, dass die Verbraucherpreise steigen. Bislang mit mäßigem Erfolg. Weniger beachtet werden die Vermögenspreise. Hier wirkt die expansive Geldpolitik. Mit fatalen Folgen für junge Familien.

Was tut die Europäische Zentralbank (EZB) nicht alles, damit die Preise steigen. Anleihen kaufen, etwa. Läuft alles wie geplant, sollten im September dieses Jahres Wertpapiere in einem Volumen von rund 2,5 Billionen Euro in den Beständen der Notenbanken liegen. Seit Juni 2014 gibt es zudem „Strafzinsen“ für Banken, die Einlagen bei der EZB parken. Viele Anleger zahlen nun dafür, dass sie ihr Geld einer Bank anvertrauen.
Trotz solcher Maßnahmen springt die Inflation nur langsam an. Im vergangenen Jahr lag sie in der Eurozone bei 1,4 Prozent. Deutlich weniger als die Marke von zwei Prozent, die sich die EZB als Ziel gesetzt hat. Wer jetzt aber denkt, die expansive Geldpolitik zeige keine Wirkung, der irrt. Denn die Preise von Vermögenswerten steigen kräftig. Das zeigt der FvS- Vermögenspreisindex des Flossbach von Storch Research Institute. Im vergangenen Jahr markierte der Index ein neues Allzeithoch. Die Vermögenswerte deutscher Haushalte haben sich im Jahresvergleich um 9,3 Prozent verteuert, Aktien um 11,8 Prozent, Immobilien um 8,2 Prozent, das Betriebsvermögen sogar um 24,1 Prozent. Für Vermögende sind das gute Nachrichten. Wer bereits ein prall gefülltes Aktiendepot oder eine Immobilie besitzt, kann sich über üppige Wertsteigerungen freuen. Menschen, die ein Vermögen erst noch aufbauen möchten, müssen hingegen deutlich höhere Preise in Kauf nehmen. Das betrifft vor allem die junge Generation. Während sich Menschen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren im vergangenen Jahr über einen Anstieg ihrer Vermögenswerte um 10,8 Prozent freuen konnten – lag die Steigerung bei jungen Haushalten bei rund 6,2 Prozent.
Die Nullzinspolitik der Notenbanken verstärkt die Vermögensunterschiede in Deutschland. Die Anlagen der vermögenden Haushalte stiegen um 11,2 Prozent – die von ärmeren nur um 3,3 Prozent. In Zeiten ohne Zinsen werden Sachwerte wie beispielsweise Immobilien oder Aktien für Investoren attraktiver. Das treibt die Preise. Für viele junge Familien werden ein Eigenheim und eine Altersvorsorge dann schnell unbezahlbar. 
Dr. Philipp Immenkötter arbeitet für das Flossbach von Storch Research Institute. Weitere Daten zur Inflation des Vermögens finden Sie unter: www.fvs-ri.com/fvs-vermoegenspreisindex
 

Es ist Liebe

 

Die Deutschen und ihr Sparbuch. In guten wie in schlechten Zeiten. Nur woher rührt diese scheinbar unerschütterliche Verbundenheit? Eine kurze Reise durch die Zeit.

WERNER SCHUMACHER

Geschichten brauchen einen Anfang – auch diese. Nur womit starten? Und wann? Es gibt so vieles, was zu berichten wäre! Vielleicht mit der Bundeskanzlerin und dem Mann, der einmal ihr Finanzminister war. Mit Angela Merkel und Peer Steinbrück. Am 5. Oktober 2009, einem denkwürdigen Tag. Mit ernsten Mienen standen die beiden damals vor den Kameras. „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind.“

Zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen, zwischen Aachen und Görlitz. In Millionen Wohnzimmern. Zur besten Sendezeit, 20 Uhr, „Tagesschau“. Erleichterung! Die Spareinlagen sind sicher. Der Kanzlerin Worte waren vor allem für das Herz, weniger den Verstand gedacht. Nichts anderes hatte Merkel im Sinn. Sie wusste um die Zahl der Sparer – sprich Wähler – und deren Ängste. Die Deutschen liefen am nächsten Tag nicht zur Bank, um ihre Konten abzuräumen, wie in jenen Tagen, dem Höhepunkt der Finanzkrise, zu befürchten war.


AUCH DIE RENTE WAR MAL SICHER

Nur wenige fragten, was diese Garantie im Ernstfall wert sein würde. Dabei wären Zweifel durchaus erlaubt gewesen. Die Renten waren in den 1980er-Jahren schließlich auch mal sicher, zumindest im Wahlkampf – frei nach Norbert Blüm, dem damaligen Arbeitsminister. Hatte Merkel an jenem Oktobertag geblufft? Egal. Die Deutschen und ihr Sparbuch – es ist Liebe! Immer schon gewesen. Nur kann Liebe blind machen.

Warum sind die Deutschen ihrem Sparbuch verfallen? Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, sollte nach Berlin reisen, Unter den Linden. Nicht etwa, weil die Hauptstadt für Sparsamkeit und Maßhalten bekannt wäre. Das ist sie gewiss nicht. Aber im Deutschen Historischen Museum ist kürzlich die Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“ eröffnet worden. Bis Ende August. Eine Zeitreise in Bildern, Dokumenten und Spardosen. Eine Reise, die Aufschluss darüber gibt, warum der Akt des Sparens – und mit ihm das Sparbuch – einen besonderen Platz in der deutschen Kulturgeschichte für sich beansprucht. Schauen wir also zurück …

Die erste Sparkasse der Welt wurde – wen wunderts? – in Deutschland gegründet. In Hamburg, 1778 war das. Eine „Ersparungs-Casse“ für „fleissige Personen beyderley Geschlechts“, hieß es in den Gründungsdokumenten. Zu den Kunden gehörten alle, denen der Zutritt zu Banken, die es schon länger gab, versperrt war: Knechte, Mägde, Tagelöhner, Matrosen. In der Sparkasse war ihr Geld vermeintlich sicher. Und es brachte Zinsen. Selbst kleine Beträge waren willkommen. Auch der Mittelstand, darunter Handwerksmeister und Kaufleute, entdeckten die Sparkassen für sich.

 

NIRGENDWO SONST SO VIEL PATHOS

Aufklärung hatte im Falle der Sparkassen in Deutschland auch und vor allem mit Erziehung zu tun. Etwas auf die hohe Kante legen. Fleißig sparen. Einen Notgroschen bilden. Diese Haltung sollte gefördert und belohnt werden. Auch wenn in den anderen europäischen Ländern, Frankreich beispielsweise, in dieser Zeit ebenfalls Sparkassen gegründet wurden – nirgendwo sonst wurde das Sparen mit so viel Pathos aufgeladen wie in Deutschland. Das Sparbuch als Identitätsstifter.

Ein früherer Bürgermeister der Stadt Plauen nannte Sparkassen bedeutsam für „unsere ganze Kulturentwicklung“; nur jenes Volk könne „den Sieg behalten“, das die „Tugenden der Ordnung, Arbeitsamkeit, Mäßigkeit, Selbstbeherrschung, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit pflegt und übt“. Entsprechend groß war auch der moralische Druck, der auf die Sparer ausgeübt wurde. So zitiert „Der Spiegel“ in einem Beitrag zur Ausstellung den Brockhaus aus dem Jahre 1846, in dem es heißt, dass Menschen, die nicht sparten, in „Stumpfsinn und Rohheit“ zu versinken drohten und sich leicht „der Branntweinpest und viehischen Lastern aller Art“ auslieferten. Dem galt es entgegenzuwirken. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es bereits mehr als 9.000 Sparkassenfilialen im Kaiserreich. Ein dichtes Netz, durch das niemand fallen konnte – oder, je nach Perspektive, aus dem niemand entkommen konnte. Die Sparkasse als Kirchenersatz. Mehr als acht Millionen Sparbücher wurden gezählt.

Zu Hause auf der Küchenanrichte standen die Spardosen. Jede Münze, die übrig war, fand den Weg in diese Behälter. Deren Design war gewöhnlich abhängig vom Zeitgeist. Anfangs waren es meist kleinere Kästchen, in Kriegszeiten hatten sie die Form von Fliegerbomben, aus denen irgendwann Schweine oder Pilze wurden. Der Schlüssel zur Dose war meist sicher verwahrt, in der Sparkasse. Und führe uns nicht in Versuchung! Wenn die Dose voll war, kam der Inhalt auf das Sparbuch.

Das Sparbuch wurde zum Inbegriff der sicheren Anlage – und ist es bis heute geblieben. Das ist bemerkenswert, weil es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Phasen gegeben hat, in denen Sparguthaben wertlos verfielen. Die Hyperinflation in den 1920er-Jahren hat eine ganze Generation von Sparern enteignet. Auch bei der Währungsreform 1948 verloren Sparguthaben massiv an Wert.

Geändert hat sich nichts. Die Deutschen haben einfach weitergespart. Und immer weiter. Bereits 1950 war auf einem Plakat zu lesen: „Wünsche werden Wirklichkeit durch tapferes Sparen.“ Dass sich Inflation und Währungsreform aus Anlegersicht vor allem dann einigermaßen überstehen ließen, wenn ein Großteil des Geldes in Sachwerten steckte, in Aktien beispielsweise, hat niemanden interessiert, im Gegenteil. Aktien gelten seit jeher als hochriskantes Teufelszeug. Ein Spielzeug von Spekulanten und Glücksrittern.

Die Deutschen feiern sich stattdessen als Sparweltmeister – obwohl sie es gar nicht sind. Die Chinesen beispielsweise legen prozentual weit mehr von ihrem Einkommen zurück als die Deutschen. Macht aber nichts. Es reicht, sich als Sparweltmeister zu fühlen. Dieses Gefühl, dieses Selbstverständnis ist Jahrhunderte lang gewachsen.

Werner Schumacher ist freier Journalist und lebt mit seiner Familie in der Nähe von Kassel

für Flossbach von Storch AG, Köln